| Gotteshäuser
1989 - 2009 120 x 150 cm SIGNIERT C-PRINT |
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Der Zyklus Gotteshäuser - Moscheen 1988-2008 WILMAR KOENIG ist Lichtkünstler und Architekturfotograf in einer Person. Er bereiste den Iran, Frankreich, Polen und Deutschland um charakteristische Götteshäuser verschiedenster Religionen zu fotografieren. Insbesondere in diesen ausgewählten Moscheen zeigt sich die harmonische Asymmetrie, die Abwechslung zwischen Licht und Schatten, der Vereinigung des Hauses mit der jeweiligen Perspektive des Himmels, des Wassers und der Landschaft und hebt die dem Islam eigene, geschickte Berücksichtigung sowohl der äußeren Natur wie auch der inneren, mystisch besetzten Landschaft hervor. Diese gilt dem Fotografen wie auch ihren Besuchern und gläubigen Benutzern als Refugium und perfekt gestaltetes Interieur; ebenso als heiliger Ort. Hier vereinigt sich das Paradigma der Moderne in der Architektur, wie es Le Corbusier in seinen theoretischen Schriften und Manifesten beschreibt: „die kluge, richtige und prächtige Vereinigung der Räume unter dem Licht. Vor allem in der Auseinandersetzung mit den islamischen Gotteshäusern liegt die Faszination der fotografischen Werke von Wilmar Koenig, denn hier kommt seine sowohl distanzierte und wertfreie Betrachtung, ausgewählt durch den raffinierten Bildanschnitt zur Geltung. |
Wilmar Koenig's Fotografien rücken die meisterhafte Architektur in einem luftigen, ungewöhnlichen Blickwinkel und betonen somit die perforierten, stuckartigen und farbigen Oberflächen der Mauern, Türen und Fenster sowie Arkaden und Kuppeln, die sich in seinen fotografischen Studien in feine Wabenstrukturen auflöst. Hier scheint das Licht abzuperlen, das Gewicht auf den schmalen Säulen scheinbar aufgelöst zu sein und somit das gesamte Bauwerk in einem schwebenden, schwerelosen Zustand zwischen Licht, verborgener Mystik und Metaphysik zu verweilen. Kein Ort nirgends, aber ein Raum für Kontemplation, tief versunkenes Gebet und letzendlich die Stille, welche den Betrachter - gleich welcher Religionszugehörigkeit - in ihren Bann zieht. Christina Wendenburg |
| Koenigs fotografische Biographie ist weit gefächert. Er war Mitbegründer der heute legendären „Werkstatt für Fotografie“ in Berlin Kreuzberg, die zwischen 1975 und 1985 zu recht als ein zentraler Ort der zeitgenössischen Fotografie galt. Schon in den 1970er Jahren zählte er zu den Pionieren der künstlerischen Farbfotografie in Deutschland und hat über Jahre immer wieder gemeinsame Reisen mit dem US-amerikanischen Fotografen William Eggleston unternommen, auf denen Bilder gegenseitiger Anregung entstanden. Neben Porträts und der sozialen Dokumentation von Wohn- und Lebensräumen hat Koenig immer wieder Kirchenbauten fotografiert. Das begann mit Zeugnissen der nord-ostdeutschen Backsteingotik, die er als Metaphern einer spezifischen Lebensweise verstand und weitete sich alsbald auf süddeutsche Barockbauten aus, an denen Wilmar Koenig seine eigene Dramaturgie des Lichtes entwickelte. Unsere Ausstellung zeigt vor allem Interieurs von Moscheen im Iran und christlichen Kirchen in Georgien, Aufnahmen aus den vergangenen fünf Jahren. Wilmar Koenig hat Architektur studiert, ehe er sich der Fotografie zuwandte. Aber er ist kein „Architekturfotograf“ im landläufigen Sinne. Seine Bilder dokumentieren nicht nur die physische Substanz der Bauten, sie zeugen darüber hinaus von einem inneren, tiefen Verständnis für die eigene räumliche wie die metaphysische Qualität sakraler Bauwerke. Insbesondere ist Koenig an den Wirkungen des Lichtes interessiert. |
In zum Teil langen Belichtungszeiten wird die synästhetische Wirkung von Farbe, Binnenform der Details und der Totale des Raums gleichsam spektral aufgelöst. Die Heiligkeit der Räume erweist sich als eine großartige Inszenierungsleistung der zumeist namenlosen Architekten. Frei von mystischen, gar esoterischen Überhöhungen oder Umdeutungen zeigen Koenigs Bilder der islamischen und christlichen Gotteshäuser die Essenz einer Architektur, die Spiritualität und Funktion zu vereinen wusste, und die einen letzten Widerschein in den architektonischen Inkunabeln der klassischen Moderne fand, ehe sie im Primat von Ideologie und/oder Ökonomie unterging. Wilmar Koenigs teils großformatige Fotografien sind dabei alles andere als nostalgische Reminiszenzen unwiederholbarer ästhetischer Raffinesse, sie haben einen unabweisbar gegenwärtigen Aspekt. In einer Zeit, in der Religionen wieder als politische Kampfstrategien missbraucht werden, verweisen sie auf die Größe der Demut, des Innehaltens. Man kann auch sagen: auf die Möglichkeit des Friedens. Matthias Flügge |